Magenkrebs Zurück zur Übersicht

Unter Magenkrebs versteht man bösartige Erkrankungen des Magens. Die Häufigkeit nimmt langsam ab. Die Behandlung des fortgeschrittenen Magenkrebses ist aber nach wie vor unbefriedigend.

Häufigkeit, Vorkommen

Weltweit schwankt die Häufigkeit des Magenkrebses beträchtlich. In Japan beispielsweise erkranken weit mehr Menschen an Magenkrebs als in den USA oder in Deutschland. In Deutschland ist der Magenkrebs nach dem Dickdarmkrebs die zweithäufigste Krebsart des Verdauungstraktes. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt ab dem 40. Lebensjahr deutlich an. Der Häufigkeitsgipfel liegt jenseits des 50. Lebensjahres, jedoch treten immerhin ca. 10 % der Magenkrebserkrankungen bei Patienten zwischen dem 30. Und 40. Lebensjahr auf. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Die Neuerkrankungsrate an Magenkrebs hat in den vergangenen Jahrzehnten von etwa 30 pro 100.000 auf 10 pro 100.000 Einwohner jährlich abgenommen. Am Magenkarzinom erkranken in Deutschland jährlich etwa 15.000 Menschen. In Japan (wo die Magenkrebshäufigkeit deutlich höher als in Europa liegt), hat durch die Einführung der Gastroskopie (siehe dort) die Sterblichkeit an dieser Erkrankung um etwa 50 % abgenommen!

Ursachen

Die eigentlichen Ursachen sind bisher zwar nicht eindeutig geklärt, jedoch sind eine Reihe von Risikofaktoren bekannt:

Das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken, ist bei erblicher Belastung erhöht. So ist ein 3,7fach erhöhtes Risiko bei Erkrankung von Familienmitgliedern ersten Grades (Eltern, Kinder, Geschwister) bekannt. Auch sind Menschen mit der Blutgruppe A häufiger betroffen.

Die Ernährung spielt eine große Rolle. Während z.B. in Japan, China und anderen Ländern sehr viele Einwohner an Magenkrebs erkranken, haben die Nachfahren von Japanern, die in die USA ausgewandert sind und hier andere Ernährungsgewohnheiten angenommen haben, kein erhöhtes Risiko mehr. Das heißt, daß nicht ein ererbtes Risiko, sondern die Ernährung die Magenkrebshäufigkeit beeinflußt. Auch der hohe Nitrat-/Nitritgehalt geräucherter und gesalzener Nahrung soll durch Umwandlung zu krebserzeugenden Nitrosaminen das Magenkrebsrisiko steigern. Ein Mangel an Magensäure begünstigt nitritbildende Bakterien. Da Nitrat in vielen Gemüsearten vorkommt, sollten diese immer frisch verzehrt werden, bevor diese in Nitrosamine umgewandelt werden können. Auch bestimmte Gifte von Schimmelpilzen, wie etwa Aflatoxine erhöhen das Risiko für die Entstehung von Magen- und Leberkrebs. (Konzentrierter) Alkohol und zu heiße Speisen werden ebenfalls als Risikofaktoren angeschuldigt.

Andererseits scheint bei überdurchschnittlichem Verzehr von Frischgemüse und Obst, bei hoher Vitamin-C-Aufnahme und bei Versorgung mit gutem (nitratfreiem) Trinkwasser das Risiko für eine Erkrankung an Magenkrebs zu sinken.

Rauchen erhöht das Risiko an einem Magenkrebs zu erkranken deutlich. Krebserregende Substanzen aus dem Rauch lösen sich im Speichel und gelangen so in den Magen.

Die Magenschleimhautinfektion mit Helicobacter pylori (siehe dort) wird als Risikofaktor für die Entstehung von Magenwandlymphomen und Magenkrebs angesehen. Andererseits muß bei der Häufigkeit der Helicobacter pylori-Infektion (etwa 50 % der Erwachsenen) erkannt werden, daß nur wenige Infizierte an einem Magenkarzinom erkranken. Die vorbeugende Beseitigung von Helicobacter pylori zur Vermeidung von Magenkrebs ist umstritten und in ihrer Wirksamkeit nicht bewiesen. Bei der chronischen Magenschleimhautentzündung (mit oder ohne Vitamin-B12-Mangel), Jahre nach einer Magenoperation, bei bestimmten Magenpolypen und bei einer eigenartigen Erkrankung mit der Bildung von "Riesenfalten" im Magen (Morbus Ménétrier) ist das Risiko einer Magenkrebserkrankung deutlich erhöht.

Krankheitsablauf

Die Krebserkrankung des Magens beginnt umschrieben als sogenanntes Magenfrühkarzinom. Dabei sind die bösartigen Zellen begrenzt auf die innere Schicht der Magenschleimhaut. Dieses Frühkarzinom kann über einen längeren Zeitraum örtlich begrenzt bleiben. In diesem frühen Stadium treten meist keinerlei Beschwerden auf. Bleibt die Krebserkrankung dann unerkannt, durchwachsen die Krebszellen die Magenwand. Sie können sich dann weiter auf die Nachbarorgane ausbreiten und/oder über Lymph- und Blutgefäße zu Fernabsiedlungen (Metastasen) führen. Häufig treten erst in diesem fortgeschrittenen Stadium Beschwerden auf.

Stadien und Typen

Magenkrebs geht meist von Drüsenzellen aus (sogenanntes Adenokarzinom). Bei der histologischen (mikroskopischen) Untersuchung des entnommenen Gewebes kann der Pathologe Hinweise auf die Bösartigkeit des Tumors erhalten. Es werden zwei Typen von Magenkarzinomen unterschieden, der Intestinaltyp, der zunächst klar begrenzt wächst und der diffuse Typ, der rasch das umgebende Gewebe durchsetzt.

Das Grading (engl.) beschreibt, wie stark sich Tumorzellen von normalen Zellen unterscheiden. Nach bestimmten Merkmalen werden 4 Grade (G1 bis G4) unterschieden. Tumorzellen von Grad 1 (G1) sind gut differenziert, d.h. sie sind den normalen Zellen noch sehr ähnlich. Schlecht differenzierte Tumoren (G4) unterscheiden sich dagegen sehr stark von normalen Zellen, wachsen besonders schnell aggressiver als die niedrigeren Grade.

Zur Beurteilung des Tumorstadiums nach dem TNM-System werden Größe und örtliche Ausdehnung des Magentumors (T), Lymphknotenbefall (N, von lat. Nodus: Knoten) und Metastasen (M) berücksichtigt. Ziffern hinter den Buchstaben stehen für Größe und Ausdehnung (T1-4), Lage und Zahl der befallenen Lymphknoten (N0-2) und das Vorhandensein oder Fehlen von entfernten Metastasen (M0 oder M1). T1 N0 M0 bezeichnet zum Beispiel einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und Metastasen.

Beschwerden

Der Magenkrebs entwickelt sich zunächst meist unbemerkt. Erste Zeichen der Krebserkrankung sind meist unspezifisch: Druckgefühl im Oberbauch, Appetitverlust, Aufstoßen, Schluckauf, Ekel vor Fleisch oder auch anderen Speisen, frühes Sättigungsgefühl, Übelkeit, Brechreiz. Rückblickend kann allerdings bei vielen Patienten eine lange Geschichte uncharakteristischer Beschwerden im Oberbauch erhoben werden! Mit fortschreitender Erkrankung kommt es zu Gewichtsverlust, Schwäche, Blutarmut, Schmerzen, Schwierigkeiten beim Schlucken, häufigeres Erbrechen, auch Bluterbrechen, Teerstuhl. In Spätstadien kann es dann zu einer tastbaren Gewebsvermehrung im mittleren Oberbauch, zu Bauchwassersucht (Aszites) und zu tastbar vergrößerten Lymphknoten (hier vor allem in der linken Schlüsselbeingrube) kommen.

Diagnose

Entscheidend ist die frühzeitige Erkennung! Wenn auch nur der geringste Verdacht auf eine Magenkrebserkrankung aufkommt, muß unverzüglich eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Da die Beschwerden anfangs völlig unspezifisch sind, muß bei allen Symptomen, die auf eine Magenerkrankung hinweisen (können) eine Magenspiegelung (Gastroskopie, siehe dort) durchgeführt werden, um die Krankheit in einem frühen Stadium zu entdecken. Nur dann ist eine reelle Heilungschance gegeben! Die Gastroskopie erlaubt in einem Untersuchungsgang nicht nur die Suche nach dem vermuteten Magenkrebs, sondern zudem die gezielte Gewebsentnahme zur weitergehenden histologischen (mikroskopischen) Untersuchung. Dies gilt insbesondere für alle Magengeschwüre, deren Gut- oder Bösartigkeit erst durch eine histologische Untersuchung der Gewebeproben abgeklärt werden kann. Die früher üblichen Röntgenuntersuchungen (Doppelkontrastuntersuchung des Magens) wurden weitgehend verlassen, da sie deutlich unsicherer sind und keine Probeentnahme zulassen. Bestätigt die Magenspieglung die Krebserkrankung, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Ausbreitung zu ermitteln: Blutuntersuchungen (einschließlich bestimmter "Tumormarker"), Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und evtl. Computertomographie (Röntgenschichtaufnahme) des Bauchraumes, Röntgenuntersuchung der Lunge. Bei einem Magenfrühkarzinom ist eine Endosonographie der Magenwand von Bedeutung, um die exakte Eindringtiefe der Krebserkrankung zu ermitteln; dabei wird eine Magenspiegelung mit einem Gerät durchgeführt, an dessen Spitze eine Ultraschallsonde sitzt.

Bei Risikopatienten (vor allem bei familiärem Risiko, bei chronischer Magenschleimhautentzündung, bei Z.n. bestimmten Magenoperationen, bei Riesenfaltengastritis und bei Magenpolypen) ist eine jährliche gastroskopische Untersuchung erforderlich.

Behandlung

Operation

Einzig sinnvolle Behandlungsmaßnahme beim Magenkrebs ist die Operation mit vollständiger Entfernung des bösartigen Anteils. Dabei wird je nach Ausdehnung des Magenkrebses ein mehr oder weniger großer Teil des Magens (partielle oder totale Gastrektomie) und der benachbarten Lymphknoten entfernt. Der Magenrest wird mit dem Dünndarm verbunden, dabei wird oft ein sogenannter Ersatzmagen aus dem Dünndarm gebildet. Bei Tumoren am Mageneingang wird auch noch ein Teil der unteren Speiseröhre entfernt. Selbst bei der Entfernung des gesamten Magen ist es möglich, fast normal zu essen.Wird ein Großteil des Magens entfernt, kann der Operierte danach allerdings kein Vitamin-B12 mehr aufnehmen, da hierzu ein vom Magen produzierter Kofaktor notwendig ist. Ist der Tumor selbst nicht mehr komplett zu entfernen oder sind schon Metastasen nachweibar, beschränkt sich die Operation evtl. auf Reduktion der Tumormassen, Anlegen von Anastomosen (Umgehung des Tumors durch Vernähen von oberen Magenabschnitten mit Dünndarm, damit es nicht zu einem Passageverschluß kommt) oder auf das Einlegen von Prothesen (Stents bzw. Kunststoffschläuche) in den eingeengten Mageneingang (was auch im Rahmen einer Magenspiegelung ohne Operation im eigentlichen Sinne durchgeführt werden kann).

Andere Behandlungsmöglichkeiten

Die Chemotherapie (also die Gabe von krebszellzerstörenden Medikamenten) und die Strahlentherapie sind beim Magenkarzinom weitgehend sinnlos. In letzter Zeit werden Studien mit Antikörpern gegen Magenkrebszellen durchgeführt. Zur Beurteilung ausreichende Ergebnisse liegen noch nicht vor. Mistelpräparate werden häufig angewandt, ein Wirksamkeitsnachweis wurde in keiner Untersuchung erbracht. Interferone und Interleukine werden derzeit ebenfalls in klinischen Studien untersucht, Ergebnisse sind noch nicht bekannt.

Symptome der Tumorerkrankung wie Schmerzen, Gewichtsabnahme oder Blutarmut müssen unbedingt behandelt werden. Die Schmerztherapie steht bei nicht mehr heilbaren Krebskranken oft im Vordergrund (siehe http://www.medizin.uni-koeln.de/stan/index.html).

Nachsorge

Ist ein Großteil des Magens entfernt worden, muß in regelmäßigen Abständen Vitamin-B12 gespritzt werden. Gelegentlich ist auch der Ersatz von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) notwendig. Ernährungsberatung hilft dem Patienten, mit der veränderten Verdauungssituation zurechtzukommen. Häufige, kleinere Mahlzeiten und Vermeiden stark zuckerhaltiger Speisen helfen sogenannte Dumping-Symptome (Kreislaufschwierigkeiten beim Frühdumping durch die schnelle Magenentleerung, Unterzuckerungen beim Spätdumping durch eine reaktiv stark vermehrte Insulinausschüttung) vermeiden. Mußte die Milz mitentfernt werden, muß in 5jährigen Abständen eine Pneumokokkenimpfung verabreicht werden, da das Risiko für eine durch diese Bakterien ausgelöste Erkrankung stark ansteigt.

Die weitere medizinische Überwachung dient dazu, unerwünschte Folgen der Therapie, aber auch einen möglichen Rückfall, zu erkennen. In der Regel sind Nachsorgetermine zunächst alle 3 Monate, nach 2 Jahren alle 6 Monate erforderlich. Die Diagnostik umfaßt Befragung, körperlicher Untersuchung, Labortests, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen, nach Magenteilentfernung auch eine Gastroskopie.

Prognose

Wird in einem frühen Stadium operiert (d.h., wenn sich der Magenkrebs noch auf die innerste Schicht des Magens beschränkt) ist die Überlebenswahrscheinlichkeit nach 5 Jahren über 90 %. Leider wird die Krankheit meist erst in deutlich späteren Stadien entdeckt, so daß dann die Prognose deutlich schlechter wird. Durchschnittlich leben von 100 operierten Magenkrebspatienten nach 5 Jahren noch etwa 15, die dann als geheilt von dieser Krankheit gelten können.

Dr. Friedrich Höglmeier Zurück zur Übersicht
magenkrebs.zip ©Dr. F. Höglmeier